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Chic auch - ohne Frage

„A Type Calendar“

Von Wenzel Nieß

 

366 Fonts! Ein klassischer Abreißkalender (in Englisch), in enorm aufregenden, passenden Pink, dessen einiges und zielgenaues Thema Fonts, also Schrifttypen, sind. In diesem Jahr werden also 366 Fonts (Schaltjahr!) vorgestellt. Nicht nur, dass die Monats- und Tageszahl schon im jeweiligen Font geschrieben sind und ihn damit eindrücklich präsentieren, mehr noch: Auf jeder Rückseite gibt es eine kompetente Kurzerklärung zu den Fonts und wie man sie nutzen kann. Zum Beispiel am 17.4. „Heel Bold“, Michael Luther, 2009: „Heel ist a solid and straight font with discreet but also handsome details. Right perfect in capital letters for striking headlines!”  

Wenn man sich damit beschäftigt, weil man damit zu tun hat (wie viele Flyer werden heutzutage selbst erstellt!), sich aber noch nicht ausreichend Gedanken gemacht hat, da leistet dieser Kalender wirklich hervorragende Entwicklungshilfe. Man findet Fonts, von denen man nichts wusste, dazu rundum nützliche Erläuterungen. Und als Tischschmuck:Toll! Witzig und unaufgeregt.

Chic auch - ohne Frage. Das Schöne ist: Es gibt so viele Fonts, die einem nicht gefallen, und das sind dann - besser als in einem Buch - die Tage, die man in den Müll wirft. Alle anderen bewahrt man auf (und in Erinnerung, wie den Namen des Verlages, der ein so kompetentes Calendarium zu publizieren versteht).

The Daily Dose of Typography
Abreißkalender zum Aufstellen oder Hängen
mit 366 Fonts von 252 Designern aus 32 Ländern und allen Feiertagen dieser Länder
384 Blatt, zweiseitig bedruckt,Format 8,5 x 12 cm
Verpackt in einer Sammelbox zum Archivieren der Schriftmuster
EAN 4260172810272, 16,80 EUR

 

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Nicht nur volle Portemonnaies und leere Köpfe

Adam Lindemann: "Collecting Design"

Von Wenzel Nieß

 

Adam Lindemann ist der Autor der Wahl für ein solches Buch: Er sammelt Kunst, er sammelt Designermöbel. Seit Jahren, in New York. Nun ist von ihm „Collecting Design“ erschienen. Beim Kunstsammeln schmerzt es stärker, dass einfach nur reiche Leute den Markt in Bewegung halten und, bei sinkendem Einfluss der Museen, das kulturelle Gedächtnis von Epochen festhalten oder missachten.

Beim Design liegen die Dinge anders. Designer wissen, für wen sie arbeiten, und sie tun es zwar mit Kreativität, nicht aber mit der Freiheit des Künstlers, zu der das Diktat des Geldes nicht passt. Designerstücke und finanzstarkes Sammeln, sie widersprechen sich nicht.

So bleibt an Design erhalten, was gefallen hat; das darf sein. Aber warum überhaupt Design sammeln? Was soll das? Genügt es nicht, sich gut und geschmackvoll einzurichten? Sammeln, das bedeutet, das Möbelstück zu viel, den Stuhl, den man nicht braucht, Nutzgegenstände nicht zum Nutzen, sondern nur zum Betrachten.

Adam Lindemann philosophiert dazu nicht. Er geht es praktisch an. Da hatte er all die schönen Kunstwerke gekauft und an seine Wände gehängt, und plötzlich sahen seine Möbel grau und hässlich aus. Und waren es ja auch! Also begann er sich für schöne Möbel zu interessieren. Mit Geld und Möglichkeiten.

Design sammeln, das beschäftigt viele Gruppen, und Lindemann präsentiert sie hier (unter Ausschluss der Designer - sehr folgerichtig, denn wenn ihr Ding produziert, geht es raus in die Welt und muss ohne seine Schöpfer bestehen.

Lindemann macht fünf Protagonisten des Designmarktes aus; neben dem Designer der Sammler, der Händler, der Trendsetter, der Auktionsexperte.

Er startet gleich mit der schwierigsten, weil verschwiegensten Gruppe, den Sammlern. Sieben werden in kurzen Einleitungen vorgestellt und kommen dann in leserfreundlichen Häppchen selbst zu Wort. Die Spezies ist ja nicht ganz unbekannt, sie wird in Zeitungen und Zeitschriften gern genau beschrieben, und auch diese (sonst nicht gefeierten) zeigen typischer Merkmale. Für den Laien spannender ist dann schon die Gruppe der Händler. Wie sucht man aus, wie findet man seine Kunden. Wie in jedem Teil des Buches umrundet Lindemann hier den ganzen Globus, und die Händler geben gern und auf eine Art kalkulierbar Auskunft, dass sie für den Leser in der Intention erkennbar und damit ehrlich ist. Die Auktionsexperten kann man mit den gleichen Überlegungen lesen, und mit dem gleichen Gewinn.

Richtig schön schräg, auch mal lustig und die schönsten Seiten des Magazinjournalismus zeigend sind die Selbstporträts der „Trendsetter“. Ob Lindemann mit deren Rolle für den Designsammlermarkt überhaupt richtig liegt, sei dahin gestellt. Aber die durchgeknallten Homestory-artigen Bekenntnisse - das macht Spaß.

Der Anhang ist dann ein großes Entgegenkommen für diejenigen, die sich so gern der weiten Welt nahe fühlen wollen. „Der Jahreskalender des Designsammlers“ und ein „Glossar ausgesuchter Begriffe, die jeder Akteur kennen sollte“. Man wird ja noch träumen dürfen… Natürlich ist es ein Buch für Träumer und Möchtegern-Sammler. Keiner seiner Leser befindet sich in der Lindemann-Liga. Es erweitert den Horizont inmitten all der Würdigungen für die Designer und Erschaffer auf diejenigen, die die Welt von Kauf und Verkauf mitbestimmen. Lindemann zeigt, dass sich dort eben nicht nur volle Portemonnaies und leere Köpfe finden. Das ist gut, wie das Buch.

 

Adam Lindemann: Collecting Design

Taschen, Gebundene Ausgabe

300 S., Euro 21,99

Sprache: Englisch

ISBN-13: 978-3836519939

Größe und/oder Gewicht: 22,6 x 16,8 x 3,3 cm

 

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Versklavte Verbraucher

Mateo Kries: Total Design

Von Wenzel Nieß

 

Zuerst nimmt alles wunder an dem Buch. Der Autor Mateo Kries, Jahrgang 1974, studierter Kunsthistoriker, Chefkurator des Vitra Design Museums in Weil am Rhein, beendet sein Vorwort mit dem Satz: „Design ist zu wichtig geworden, um es den Experten zu überlassen“ Kries aber ist doch ein Experte! möchte man meinen, aber er ist kein Designer, und so greift er sich nicht das übliche am Design, das ganze tolle Geniale, heraus, sondern steigt ein mit der Feststellung: Design scheine die Menschen unglücklicher und unfreier zu machen.

Das wäre das glatte Gegenteil von dem, was uns versprochen wurde. Man gerät gewaltig in Bewegung während der Lektüre von „Total Design. Die Inflation moderner Gestaltung“, und Kries ist der Kopf, der in Bewegung zu versetzen versteht.

Design steht mit dem Funktionalen in engem Zusammenhang, daraus ergibt sich die Gestaltung. Das aber weiß kein Mensch mehr, es wird auch begrifflich inflationär verwendet. So konnte es, befeuert durch die blinden Konsum verlangende Warenwelt der Marktwirtschaft, seinen tyrannischen Siegeszug antreten. Design bestimmt das Konsumverhalten, so Kries. Man lässt sich davon leiten, wie etwas aussieht, das ist für den Normalmenschen gleichbedeutend mit Design. Design ist aber, ganz weit gedacht, der logische Endpunkt von Technik und Aussehen, der ohne jeden Marketinggedanken gesetzt wurde. Das ist den durchdesignten Menschen, die längst ihre Haut, Haare, Nägel Designprodukten in den Rachen werfen, völlig egal. Das Totale daran analysiert Kries von allen Seiten. Ein soziologisch ergiebiger Einheitsbrei, den er den Lesern an eindrücklichen Beispielen vorführt.

Die Industrie bedient das natürlich, eine gegenseitige Abwärtsspirale, weit weg vom perfekten Produkt, das kaufenswert ist. Perfektion wird vorgegaukelt. Die lange Geschichte, die dem vorausgeht, handelt Kries kurz ab; ein Absatz zur Nazizeit – Gedanken werden angerissen, die Diskussionen sind danach zu führen. „Total Design“ ist kein umfassendes Buch, sondern eine kurze, schmissige Streitschrift, die Leben in die Lounge bringt. Der Hauptpart ist der Gegenwart gewidmet: Wenn ich mir etwas anschaffen will, stehe ich als Kunde vor x-Produkten. Ich muss wählen, und dabei schiebe ich die Funktion zurück und lasse mich vom Äußerlichen leiten. Die Funktion, aus dem die Formsprache hervorgeht, müsste mich eigentlich interessieren – aber: Auf Wiedersehen, gutes Design!

Kries trennt als logische Folge Design nicht mehr ab als wirklich eigene Richtung ab, sondern er nimmt Design so, wie es in der Marketingplastiksprache benutzt wird. Irgendwie eine Oberbegriff für chices Aussehen. Damit werden ganz andere Botschaften ausgesendet: Luxus, wenn ein Gebrauchsgegenstand nicht zu gebrauchen, sondern nur noch ein Objekt ist.

Mateo Kries neigt in seinen Argumentationen dazu, eher Brüche zu sehen als Konstanten. Das natürlich spannender – aber nicht immer inhaltlich ergiebig. Die Geschichte des Designs „zuhause“ ist in der Bundesrepublik über die siebziger Jahre zu erzählen – Energie ohne Ende, riesige Scheiben, Bungalows – eine bestimmte Funktion musste es nicht erfüllen. Heute muss eine Formsprache gefunden werden, die es erträglich macht, in einem Energiesparhaus zu leben. Das ist Designaufgabe im klassischen Sinne. Doch diese unmäßigen siebziger Jahre sind nie ganz aus dem Designgeschmack gewichen. Aber wie gesagt, Kontinuitäten zu sehen, ist Kriesens Sache nicht.

Kries spricht folgerichtig eher von sich immer stärker differenzierenden Milieus als von der Dynamik des Massengeschmacks. Der ursprüngliche Flusslauf –ich versuche so zu sein, wie die ungewöhnlichen Typen, obwohl ich geschmacklich dazu gar nicht in der Lage bin- ist zu einem Rinnsal geworden, der schichtspezifische Ausstattungsmerkmale verlangt. Es gibt keine eigene Meinung zu den Produkten, man schafft sich an, was andere haben. Die Materialqualität, die Verarbeitung, die Form müssen trotzdem gut sein, doch hat die Welt der Werbung erreicht, dass auf Verständnis  verzichtet wird. Man will sich einen mehr als finanzstarken Anstrich geben, mit Geld sich Geist zu erkaufen. Möbel, Mode, Haushaltswaren – da habe sich nach Mateo Kries nicht viel getan in den letzten Jahren, nimmt man die Hochtourigkeit des sonstigen Design als Vergleich. Stattdessen Design überall. Kries landet beim Burn-out-Syndrom der versklavten Verbraucher, wenn andere von der Chance zur Gleichheit ohne Ansehen der Herkunft sprechen. Der Autor sieht schwarz, weil er nicht die Avantgardisten vor Augen hat, sondern die Shoppingsüchtigen. Sie sind, das ist unbestreitbar, unfreier und unglücklicher geworden. Sie ja.

Ernsthaften Widerstand muss man Kries erst leisten, als er Interdisziplinarität in der Designausbildung fordert. Bloß nicht! Wir brauchen grade Leute, die sich mit Material und Form beschäftigen, dann bekommen wir gutes Design. Politdesigner werden viele unter ihnen im Laufe ihres Berufs, das genügt. Mateo Kries neigt dazu, an institutionalisierte Heilsbotschaften zu glauben. Als Fazit will er eine Art „good governance“ für Design entwickeln. Ein logischer Schluss für ein engagiertes Buch. Kries hätte jedoch dort genauer schauen sollen, was sich in der Jugend im Moment abspielt. Den Design-Nutzer-Nachwuchs hat er nicht genügend im Fokus, um wirklich Konzepte für die Zukunft zu entwickeln. Die Jugend ist finanziell gespalten, wie es die Bundesrepublik vorher nicht kannte – die eine große Gruppe kennt nichts anderes, als dem Diktat des billigen Preises zu unterliegen, die andere bedeutende Gruppe weiß nichts von Funktion, nur von Labels. Über die Schulen – ein Vorschlag Kries’- kann man sie alle nicht erreichen. Dazwischen gibt es ein kleines Grüppchen. Jugend, die dem heutigen Design etwas vormacht. Von ihnen wird wieder etwas ausgehen können, dass dem Design Impulse gibt, nicht aber der Gesellschaft und ihrem Umgang mit der Tyrannei des Gestalteten. So kann es passieren, dass Kries’ Thesen ihre Breite verlieren durch eine politisch herbeigeführte Verrottung der Masse. Aber ihre Tiefe verlieren sie nicht. „Total Design“ lohnt sich gerade nicht nur für Designfreaks, sondern für alle, die mitdenken wollen. Es ist ein aufregendes Buch.

 

Mateo Kries: Total Design

176 S., € 19,95

Nicolai Verlag 2010

ISBN 978-3894795818

 

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Globalisierte Fortführung vom kleinen Reim

Super bebildert: "Der Schimmelwriter"

Von Miriam Schneider

 

Das Buch, naja, Pixi-Buch-Art, muss sich in jedem Wohnzimmer, das etwas auf sich hält, auf dem Couchbestelltisch finden, klar. Viele der kleine hübschen Sachen darin leben von ausgewechselten Buchstaben: Bekannte Titel, Slogans mit einem Ersatz verballhornen, versinnlosen. Axel Hacke für Subversive.

Der "Schimmelwriter" ist zudem super bebildert. Kleine gelungene Zeichnungen, in wenigen Linien verschieben auch sie alles, was wir für in Stein und Fleisch und Blut gemeißelte Wirklichkeit halten. Einige der kurzen Textchen werden auf Abwegen in die deutsche Literaturgeschichte: Versprochen!

 

 

Ole Wagner: Der Schimmelwriter

Halblizel Verlag 2010

36 S., Euro 4,90

ISBN 978-394197803

 

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