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Jan Breughel d.Ä.

Ausstellung und Buch

Von Sebastian Mayer

 

In der Alten Pinakothek lief bis zum 16. 6. 2013 eine Brueghel Ausstellung, zu dieser Ausstellung hat der Hirmer Verlag ein dickes Buch verlegt. Es bringt einem Brueghel näher, zum einen Jan Brueghel d. Ä., der ja die Ausstellung und das Buch hauptsächlich dominieren, aber auch die Brueghel-Dynastie, zum einen gibt es da noch den Vater Pieter Brueghel d. Ä. und den Bruder Pieter Brueghel d. J

Jan Brueghel hat unglaubliche Gemälde geschaffen, man kann sie in der Ausstellung bewundern und sich im Buch über sie informieren, beide Dinge zusammen ergänzen sich perfekt, z. B. liest man im Buch, alles über die Freundschaft Jan Brueghels mit Peter Paul Rubens, die zusammen einige Gemälde malten, wenn man sich nun vorher im Buch informiert hat, erkennt man in der Ausstellung sofort die Unterschiede Brueghels und Rubens, auf, nehmen wir mal „Die Madonna im Rosenkranz“, wo Brueghel die Blumen und Rubens die Menschen malte. Für richtig tiefgründiges wissen sollte man sich das Buch anschaffen, für Leute die allerdings nur ein wenig Grundwissen haben wollen reicht die Ausstellung. Denn natürlich gibt es auch hier Erklärungen, die einem helfen Brueghel zu verstehen. Ein interessantes Beispiel ist „ Der Kopf einer alten Bäuerin“ von Pieter Brueghel d. Ä. und „Die Bauernhochzeit“ von Pieter Brueghel d. J., auf dem genau der Bäuerinnenkopf seines Vaters zu sehen ist. Oder das Gemälde „Die Predigt Johannes des Täufers“, das von beiden Söhnen gemalt und damit von einer Vorzeichnung des Vaters kopiert worden ist. Dass die Söhne deutlich vom Erbe des Vaters profitiert haben merkt man der Ausstellung an. Und auch im Buch sind die ersten beiden Kapitel Pieter Brueghel d. Ä. und Pieter Brueghel d. J. gewidmet.

Die ganz kleinen Bilder Jan Brueghels, wie z. B. „Erzherzog Albrecht und Isabella vor Schloss Mariemont“, mit 9,5 x 14,9cm, kann man so richtig erst im Buch betrachten, da eine Ausstellung, die meistens auch mit vielen Besuchern gefüllt ist, nicht geeignet ist, für so ein kleines Bild. Außerdem erkennt man die Klasse, dieser kleinen Bilder erst im Buch so richtig, wen einige Teile stark vergrößert zu sehen sind, auch im Gegensatz zu den Bildern in Originalgröße. Dennoch ist es immer wieder toll, die Bilder dann echt betrachten zu können, man sollte also im Idealfall beides zusammen benutzen, um die Genialität Brueghels richtig erfassen zu können. Denn er ist ein erstklassiger Meister seines Faches und man sollte sich unbedingt mit ihm beschäftigen, falls man Kunstinteressiert ist, da es sonst eine wahre Bildungslücke wäre, die nicht zu entschuldigen ist.

 

Mirjam Neumeister (Hg.):

"Brueghel: Gemälde von Jan Brueghel d.Ä."

Übersetzt von Matthias Wolf

Hirmer, 2013

49,90 Euro, 448 S.

ISBN 978-3777420363
Größe:4,4 x 22,9 x 29,2 cm

 

 

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Phänomen El Greco

Michael Imhof: „El Greco“

Von Tobias Hofer

 

In der Reihe „Meisterwerke im Großformat“, die einfach ideal für alle Einsteiger sind, die sich für die Berühmtheiten der europäischen Kunstgeschichte interessieren, ist ein Band über El Greco erschienen. Seine bekanntesten Werke sind in guter Qualität zu betrachten  Den Start ins Buch macht ein einfach gehaltener, eingängiger Überblick: „El Greco in der Kunstgeschichte“; eine Seite in aller Kürze zu dem Phänomen El Greco, der so unendlich seiner Zeit voraus war.

Danach geht es chronologisch auf Reisen durch sein Leben: Kreta (1541 bis 1567), danach drei Jahre Venedig, sodann sieben Jahr Rom und schließlich Toledo. Wer grade gähnen möchte angesichts des nächsten Alten Meisters, der sei aufgerüttelt von genau diesem Meister, denn er ist Vorbild für so viele moderne Künstler! In diesem Buch werden keine steilen Thesen aufgestellt und keine News aus der Forschung rapportiert, sondern schnurgrade die Bedeutung El Grecos herausgearbeitet. (Übrigens auch für Freunde des Details wunderbar, wenn man sie beim Betrachten des Originals nicht in Ruhe erfassen konnte.) 

 

 

Michael Imhof:

El Greco

Imhof Verlag, 2012

29,90 Euro, 96 S.

ISBN 978-3865687715

 

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Fachkundige Beschreibungen

Michael Imhof: Albrecht Dürer

Von Sebastian Mayer            

 

Das Buch zeigt Genialität und Vielseitigkeit Dürers, Einzelheiten aus den Bildern werden stark vergrößert gezeigt, und man hat die Chance, jede einzelne kleine Passage kennenzulernen.  Unglaublich schöne Aquarelle neben detaillierten Holzschnitten neben Ölgemälden - das Buch konfrontiert einen direkt mit der Klasse Dürers. Nun könnte man sich vielleicht fragen, weshalb ein Verlag ein Buch über Dürer publiziert, obwohl es bereits hunderte Bücher über den Meister gibt. Zum einen gehört Dürer eben einfach in eine Kunstbuchreihe, wie der Imhof Verlag sie hat. In dieser Reihe mit derselben Gestaltung gibt es nämlich noch einige andere Bücher über Künstler, wie beispielsweise über El Greco. Zum anderen schmückt sich ein Verlag mit solch einem für Kunstinteressierte anschaffenswerten Buch. Zum Versinken, Versenken in Dürer. Ein großformatiges, gut ausgestattetes Kunstbuch hält man in den Händen, bei dem man sofort sieht, dass es mit Mühe geschrieben und gestaltet worden ist.

Dürers Leben wird hier lebendig und allgemeinverständlich dargestellt, ohne von Tatsachen abzukommen. Chronologisch begleitet von den jeweiligen Werken, die Dürer in dem Lebensabschnitt, um den es gerade geht, gemalt, gezeichnet oder geritzt hat.  Die Abbildungen nehmen meist eine ganze Seite ein, so kann man sie mit Ruhe fürs Auge genau betrachten und Details entdecken. Durch fachkundige, kurze Bildbeschreibungen werden sie zudem erklärt. Durch das große Format lassen sich die Kunstwerke des Meisters unglaublich gut betrachten.

 

 

Michael Imhof:

Albrecht Dürer

Imhof Verlag, 2012

29,90 Euro, 96 S.

ISBN 978-3865687708

 

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"Die Stadt selbst war meine Lehrmeisterin"

Ingo F. Walther, Rainer Metzger: Marc Chagall (1887-1985). Malerei als Poesie

Von Steffen Wunder

 

„Ich heiße Marc, ich habe ein empfindsames Innenleben und kein Geld, aber man sagt ich habe Talent.“ (S.11) So schreibt der Künstler in seiner Autobiografie „Mein Leben“. Besonders sein empfindsames Innenleben wird jeder begeisterte Leser nach dem Betrachten dieses Kunstbuchs bestätigen können. Der Umgang mit Farben und wiederkehrenden Formen zeugen von hoher Sensibilität. Besonders in seinem Ölbild „Der Geburtstag“, auf dem ein glücklich schwebendes Liebespaar in einem Zimmer gezeigt wird, lässt seine Gabe, sprachliche Bilder in gemalte zu verwandeln, sichtbar werden.

1887 bei Witebsk in Weißrussland geboren, wächst er in einer jüdisch geprägten Stadt auf. Schon früh beginnt er zu malen. Er wird Schüler im Atelier des Malers Jehuda Pen, wechselt dann aber auf die Swansewa-Schule. Die frühen Gemälde wie „Junges Mädchen auf einem Sofa“ sind noch weniger poetisch und in düstereren Farben gehalten. Dieses Bild ist von der damals aktuellen Malerei St. Petersburgs inspiriert und zeigt noch ein paar handwerkliche Mängel. 1910 geht Chagall nach Paris und bezieht dort sein eigenes Atelier. „In Paris ging ich weder zur Kunstakademie noch zu Professoren. Die Stadt selbst war auf Schritt und Tritt meine Lehrmeisterin, in allem“, so der Künstler über Paris (S.18). Die hiesige Kunst fasziniert ihn. Seine erste Einzelausstellung hat er in der Galerie „Der Sturm“ des Berliner Kunsthändlers Walden. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird er in St. Petersburg zum Tarnungsdienst eingezogen. 1915 heiratet er Bella Rosenfeld; ein Jahr später geht aus dieser Ehe seine Tochter Ida hervor. Kurz darauf gründet er mit anderen Künstlern eine Kunstschule, der er aber bald im Streit den Rücken zuwendet. Nach einer weiteren Ausstellung und Lehrtätigkeit verlässt Chagall endgültig Russland und siedelt mit seiner Familie über Berlin nach Paris über. Er erhält viele Aufträge und Ausstellungen, unter anderem in New York. Reisen führen ihn nach Holland, Spanien und Mexiko. Neben seinen Gemälden entwirft er auch Ausstattungen für Opern und Ballettaufführungen, Illustrationen, Wandmalereien und Glasfenster. 1944 stirbt seine Frau Bella. Acht Jahre später heiratet Chagall erneut. Er wird Ehrenmitglied der „American Academy of Arts and Letters“ und Ehrendoktor der Universität Glasgow. 1985 stirbt Chagall in Saint-Pail-de-Vence.

Merkmale seiner Bildsprache sieht man in „Interieur II“. Um die Bildmitte fügen sich eckige Flächen zusammen und lassen eine Erzählung über den Kampf der Geschlechter um dieses Zentrum entstehen. Auch im Bild „Meiner Verlobten gewidmet“ wird die Sexualität behandelt. Obwohl das Bild eher statisch wirkt, erkennt man eine Geschichte, in der eine schlangenartige Frau einen stierköpfigen Mann umschlingt. Die Symbolik, dass der Mann sich der verführenden Frau nicht entziehen kann, ist deutlich. „Ich und das Dorf“ zeichnet sich durch Mehrdeutigkeit analog zur zeitgenössischen Literatur aus, deren Vertreter Chagall beeinflussten. Das Bild ist von einem zentralen Punkt her gegliedert. Die Motive sind aus verschiedenen Realitätsbereichen entnommen und werden zu einer Einheit zusammengesetzt, die optisch stimmig wirkt. In abstrakten Farben wird gezeigt, wie sich Mensch und Tier, d. h. Zivilisation und Natur gegenüberstehen. Eine Geschichte ist in diesem Bild nicht mehr erkennbar. Die runde geometrische Form, die das Bild gliedert, hat einen höheren Wert als die Elemente, die abgebildet sind. Die Wirklichkeit wird in diesem Bild entfremdet und die Imagination tritt in den Vordergrund. Größen- und Entfernungsverhältnisse stimmen nicht mit der Realität überein, Personen und Häuser stehen auf dem Kopf, Räumlichkeiten sind nicht klar erkennbar und im Kopf eines weißen Lamms ist eine melkende Bäuerin abgebildet. Mit seinem in Paris entwickelten Stil kann Chagall seine Kindheitserinnerungen aus Russland ausdrücken. Mit „Das bäuerliche Leben“ erstellt er später eine Art Zweitfassung dieses Bildes. Die gleichen Themen und Motive sind hier übernommen. Doch statt der geometrischen Ordnung und Gegenüberstellung sind die Bildelemente nun frei verteilt. Geborgenheit und Harmonie des Landes spiegeln sich in „Der Viehhändler“ wieder. Vor einen Wagen ist eine Stute gespannt, die ein Fohlen sichtbar im Bauch trägt. Die Schwangerschaft und Geburt ist ein häufiges Motiv bei Chagall.

Immer wieder tauchen in seinen späteren Gemälden Motive aus dem Dorfleben und der jüdischen Gemeinschaft auf. Chagalls Motive bestimmen den Charakter seiner Bilder. Liebespaare, Hütten, Tiere und Religiöses werden immer wieder neu kombiniert und verliehen dem Bild dadurch einen neuen Ausdruck. Sie verlieren ihre spezifische Bedeutung und werden zu Symbolen und Zitaten. Doch das Typische an Chagalls Bildern sind und bleiben seine Farben und sein Pinselstrich.

Das Buch orientiert sich chronologisch an Chagalls Leben und gibt dabei zahlreiche Interpretationen zu seinen Werken, immer wieder garniert von Zitaten aus seiner Biografie „Mein Leben“ oder solche zeitgenössischer Kollegen. Dadurch wird das Verhältnis zwischen dem Menschen Chagall und seiner Kunst deutlich. Zahlreiche farbige Abbildungen geben einen klaren Eindruck zur Entwicklung von Chagalls Werk.

 

Ingo F. Walther/Rainer Metzger:

"Marc Chagall (1887-1985). Malerei als Poesie"

Taschen 2012

Hardcover, 24 x 30 cm

96 Seiten, € 9,99

ISBN 978-3-8365-3115-3

 

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Transgressoren unter sich

Marilyn Manson/David Lynch: „Genealogies of Pain”

Von Daniel Ableev

 

In diesem schönen Bildband treffen zwei Künstler aufeinander, die unterschiedlicher/ähnlicher nicht sein könnten. David Lynch ist Universalcréateur durch und durch – angefangen hat er mit Bildender Kunst, dann kamen die ersten bewegten Bilder in Form experimenteller Kurzfilme (vgl. Screenshots von „Six Men Getting Sick“ u. a. in der Lynch-Sektion des Buches). Als Drehbuchautor und Filmregisseur hat er das Weltkino, gelinde gesagt, beeinflusst, und mit seinem aktuellen Psycho-Blues/Pop/Rock-Debütalbum „Crazy Clown Time“ hat er das Lyncheske in die Indie-Musikszene transfundiert. Hinzu kommen seine Zeichentrickserie „Dumbland“, der minimalistische Comic „The Angriest Dog in the World“ sowie andere avantgardistische Kurzprojekte – man merkt schon, die wunderbare Welt der „Lynchjustiz“ hat sehr viel zu bieten und sehr wenig für Langweile(r) übrig.

 

In „Genealogies of Pain“, dem Katalog zur 2010er Ausstellung in der Kunsthalle wien, ordnet sich dieser bedeutende US-Filmemacher auf der Spielwiese des Grotesken allerdings einem anderen eindrucksvollen Vertreter der Dunkelkunst, nämlich Industrial-Rock-Musiker, Maler und Fast-Filmemacher (sein Lewis-Carroll-Herzprojekt „Phantasmagoria“ wird vorerst leider nicht weiterverfolgt) Marilyn Manson unter, dessen sardonisches Pseudonym verrät, dass es auf seinen Bildern nicht gerade adrett zugehen wird. In der Tat erinnern die farbenfrohen, von geradezu kindlichem Duktus charakterisierten Gemälde des multipel talentierten Multimedial-Exzentrikers an eine Mischung aus Helnwein und Schiele. Manson möchte mehr sein als bloß ein Musiker, der nebenbei mit Pastellen herumalbert. Er will als Maler ernst genommen werden. Dass dieses Vorhaben erfolgreich sein wird, ist anhand zahlreicher starker Werke wie „Die deutsche Kaempferin“ (Hitler mal in transsexuell), „Ready or Not Tot“ (schlimmes Kindchen) oder „Trismegistus“ (Tripel-Jesus, falls mal einer kaputtgehen sollte) sowohl zu wünschen als auch zu erwarten.

 

Lynch und Manson verbindet nicht nur das Offensichtliche, nämlich ein eindeutiger Seltsamkeitstrieb, sie sind auch privat befreundet und haben bereits bei „Lost Highway“ kollaboriert. Mehrere Essays erhellen den Stellenwert sowie Zusammenhang der beiden Protagonisten, Cabaret-Voltaire-Vorsitzender Adrian Notz rechnet Manson gar dem Dadaismus zu. Jetzt fehlt nur noch ein Buch, in dem der Maler Manson dem Maler Lynch begegnet, dessen Bildwerke 2009 in einer Ausstellung im Brühler Max-Ernst-Museum unter dem sehr treffenden Titel „Dark Splendor“ bewundert werden konnten.

 

 

KUNSTHALLE wien, Gerald Matt, Cathérine Hug, Brigitte Schenk (Hrsg.):

Marilyn Manson/David Lynch: Genealogies of Pain

Verlag für Moderne Kunst 2011

176 Seiten, 76 Abbildungen in Farbe

ISBN 978-3-86984-129-8

 

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Ein offenes Feld

Perugino – Raffaels Meister

13. Oktober 2011 – 15. Januar 2012 in der Alten Pinakothek in München

Von Tobias Hofer

 

Die Alte Pinakothek in München legt mal wieder los: Perugino - Raffaels Meister“ heißt die kleine, aber aufwühlende Ausstellung. Wieder öffnen ein paar Bilder, eine kleine Auswahl Welten. Zwei Räume des Museums umfasst die Ausstellung. Man erfährt etwas über das Leben Peruginos, seine sein Schaffen, seine Wirkung. Bilder aus aller Welt wurden hergeholt: Aus dem New Yorker Metropolitan Museum of Art, aus dem Pariser Louvre aus Paris. Es sind nicht nur Bilder, auch Zeichnungen zu entdecken. Perugino? Der Meister wird im Jahr 1445 in Cittá della Pieve ( Umbrien) geboren, er stirbt 1523 in Fontiago bei Perugia. Fünf Jahre lang arbeitet Perugino in einer Florentiner Werkstatt des Goldschmieds, Bildhauers und Malers Andrea del Verrocchio. Er erhält erste Aufträge von Papst Julius II., später malt Perugino die Cappella della Concezione für Papst Sixtus IV. r mit einem Apsis-Fresko aus (das1666 beim Neubau der Peterskirche zerstört wurde). Das Fresko ist der wichtigste Auftrag  seiner frühen Karriere, ein Auftakt. Jahre später bekommt Perugino den Auftrag für die „Vision des hl. Bernhard“ - das in der Ausstellung der alten Pinakothek zu sehen.

Er ist ein gemachter Mann: Mit Botticelli fertigt er Fresken für eine Villa von Lorenzo de Medici an. Von seinen Zeitgenossen wird er als bester Maler Italiens gefeiert. Raffaels Bilder zeigen sehr deutlich den Einfluss Peruginos. Nach seinem Tod (an der Pest, er wird auf offenem Feld begraben) geärt er in Vergessenheit. Erst 200 Jahre später folgt die Neuentdeckung durch Künstler; man malt seine Bilder nach; wunderbar zu betrachten in der Ausstellung.

Sein Nachruhm steht: Perugino war einer der besten Künstler der italienischen Renaissance. Er bringt den flämischen und italienischen Stil geradezu perfekt zusammen. Der Titel der Ausstellung nimmt nicht mehr wunder: Er war Raffaels Meister - unverkennbar.

Ausstellungen, die sich mit Themen beschäftigen, die nicht unbedingt eine Wende einleiten, aber die den Zeitraum einer Wende beleuchten - in diesem Fall jene, in der die italienische Malkunst sich den Einflüssen niederländischer Malerei öffnet - das sind immer horizonterweiternde und oft erstaunliche Ausstellungen. Weil man die sonst schnell übersehenen Einflüsse sezieren kann! So auch hier: Als tollen Schluss kann man nun Raffael neues Verständnis gegenüber entgegenbringen. Mit wenigen Werken und  mit einer guten, kurzen schriftlichen Darstellung wird einem der Auftrag und Sinn dieser Ausstellung verdeutlicht. 

Natürlich ist es auch ein sinnliches Erlebnis. Alle Werke sind betörend, man könnte sich die Bilder stundenlang ansehen, wenn man sich die Ausstellung alleine ansehen könnte... Denn für die Menge sind die Räume ungeeignet. Freitagvormittag. Kein guter Termin für ein leeres Museum? Hier nicht, vielleicht nie. Man kann sich nicht in die Bilder vertiefen, man will nur noch raus. Das Publikum an diesem Tag hat Busreisequalität. Kein Zentimeter gewichen wird da vor den Bildern, die Hauptwerke sind viel zu lange durch die Führungen "besetzt", die Rentner-Ellbogen sind im Einsatz. Ja, es ist Deutschland im 21. Jahrhundert. Offenes Feld. 

 

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Doch Künstler sprechen durch ihre Werke

"Franz West - Autotheater"

Von Eva Burghausen

 

Einem, der es geschafft hat nachzuspüren und dabei notwendigerweise zu zeigen, was an ihm der Außenseiter war, der ihn zum bekannten Künstler erst hat werden lassen, das ist das Schwierige für Bücher über Künstler. „Franz West - Autotheater“ versucht es mit O-Ton, mit Deutungen von dem Künstler Nahestehenden oder von ihm Beauftragten und ein paar Erinnerungen. Franz West ist noch voll dabei, obschon er so etabliert ist, dass er gewiss nicht mehr im Depot verschwinden wird. Darum ist die Vorgehensweise dieses Sammelbandes, die gar nicht nach Distanz trachtet, klug. Dazu kenntnissteigernd bebildert, gut durch das Buch verteilt und das Buch einteilend, kann in „Autotheater“ Franz Wests Werke kennenlernen. Damit werden die meisten Laien die eine oder andere Lücke schließen können.

Dennoch: So viele Gedanken Franz Wests Kunst aufwirft, so sehr sie auch die älteren Sachen auch heute noch aufwühlen, die Methode des Buches ist überholt. Ein Dreiergespräch, so aufgezeichnet wie geführt, das eignet sich ideal für das Internet. Dort möchte man es lesen, aber hier? Unausgegorene Gedankenfetzen erfüllen nur Sinn, wenn sie einen Einblick in die Arbeitsweise eines Künstlers ermöglichen; dafür müsste vorab mehr Bezug zum Werk hergestellt werden. Die darauf folgenden  flüssigeren Texte sind zwar vom Lesen her genießbarer, aber vom Inhalt her eingestaubt und provinziell. Klar, Franz West ist ein Wiener wie er im Buche steht, aber er ist doch hinausgezogen und sich so weit darüber hinaus entwickelt! Möchte man ausrufen und muss doch einsehen, dass das wohl auch Franz West ist, Analismus, Psychonanalyse, Wortspielchen. Kantine, die weibliche Form von Kant!. Si tacuisses. Und der Rest ist viel Klischee (wenn auch, wie im Falle des Beitrags von Rudolf Stingel, von West einst als Ausstellungspartner herbeigerufen, lustig zu lesen).

Doch Künstler sprechen durch ihre Werke. Franz West tut das, trotz seiner Abscheu gegenüber dem Kunstmarkt, mit immer noch stetig wachsendem (und nachwachsendem) Erfolg beim Publikum.          

 

Franz West - Autotheater

Gebunden, 29,2 x 23,8 x 2,4 cm

208 S:; Euro 39,95

Dumont 2001

ISBN: 978-3832192808

 

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Bergmotive eines Heimatlosen

Sam Keller (Hg.): Segantini

Von Tobias Hofer

 

Segantini zu kennen, ist kein Allgemeingut. Daher gibt es noch die oberflächliche Betrachtung, und wenn man den reich bebilderten und gut betexten Band schnell durchblättert, wenn man nur kurz auf das Cover blickt, muss man unwillkürlich an van Gogh denken. Eine Assoziation, ein weitreichendes Lob, doch es wird noch toller: Beim genauen Hinschauen entdeckt man Segantini als eigenständigen Künstler. Er füllt diese komische Lücke zwischen van Gogh und Max Liebermann, die dem Laien schon lange zu schaffen macht. Bei Segantini kann geübt werden, sich auf Einflusssuche zu machen. Und Privatdetektive in Sachen Kunstgeschichte werden fündig! Segantini ist beeindruckend.

Warum? Er hat fast ausschließlich Bergmotive gemalt. Durch ein hartes Leben, ohne Staatsbürgerschaft, ohne Pass, geboren noch vor der italienischen Nationenbildung, war er heimatlos – absurderweise aber gerade dadurch tief verwurzelt; er durfte nicht reisen. Schweizer Bergwelt, das war sein Auf und Nieder.

Er lebte mit der Schwester von Bugatti zusammen, in wilder Ehe, Die bürgerliche Ehe war ihm als Staatenloser nicht möglich, und so war er auch privat ein Außenseiter wider Willen, ohne eine andere Wahl. Doch mit dieser Beziehung, die mit vielen Kindern gesegnet war, war schon Friede in sein schwieriges Leben eingekehrt, die Hürden waren genommen. Als Waisenkind in Heimen groß geworden, lernte er Schuster, dann Auftragsmaler. Eine Ausbildung zum „wirklichen“ Maler erhielt er nie, und an ihm ist zu studieren, wie jemand aus sich selbst heraus wächst. Das lässt sich auch an einzelnen grandiosen Gemälden feiern. Allein die müde Bäuerin, die flach am Boden liegt und schläft. Man denkt, es zu kennen, doch dann die Farben, die Details! Das ist etwas ganz für sich Stehendes. Wer an ein Sinnbild für Erschöpfung denkt, dem flimmert dieses Werk vor Augen.

Segantinis Begrenztheit ergab sich allein durch sein Leben, nicht durch seine Persönlichkeit. Er war offen für technische Neuerungen, bediente sich der Photographie, um sie als Vorlage zu nutzen (erkenntnisreich: Die Gegenüberstellung von Photo und Gemälde). Von der Photographie lebt auch dieses Buch, denn es sind Aufnahmen zu sehen, die Zeit und Maler zu Leben erwecken. Man kann mit dabei sein und mitdenken. Die Leinwand im Schnee, drumherum eine gezimmerte Remise, damit in vielen Tagen und Nächten genaue Arbeit geleistet werden kann. So wird die Entstehungsgeschichte der Kunst eines Mannes erzählt, der ganz unten stand und sich nach oben malte. Kein falscher Stolz, keine Grillen, Und Segantini schaffte es. Anerkennung, Künstlerfreunde, ein erfülltes Dasein.

Das strahlt auch dieses Buch aus, es macht Freude. Alle Eindrücke, ganz nah, in bester Aufmachung, und inhaltlich bekommt man ein geschlossenes Bild.

 

Sam Keller (Hg.):

"Segantini"

Gebundene Ausgabe

90 S., Euro 49,80

Hatje Cantz Verlag

Deutsch

ISBN: 978-3775727655

31,4 x 28 x 2,2 cm

 

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Komplettes zeichnerisches Werk

Unerlässlich: "Wilhelm Leibl"

Von Eva Burghausen

 

Für Leute, die sich mit dem Maler Wilhelm Leibl und seinen Zeichnungen auseinandersetzen wollen oder müssen, liegt endlich, endlich eine vollständige Ausgabe über sein zeichnerisches Werk vor. Wenn man Leibl kennt und liebt, ist das hochinteressant. Für Leute, die eher oberflächlich an Leibl (1844 bis 1900) interessiert sind, ist das zuviel, auch zuviel des Gleichen. Es bildet sein gesamtes Lebenswerk als Zeichner ab.

Seine Hauptwerke sind nicht Zeichnungen, daher steht das Buch, das Marianne von Manstein verantwortungsvoll zusammengestellt und verfasst hat, für sich. Alle, die sich mit dem Maler beschäftigen zur Abrundung hervorragend. Abbildungen, Textteil und Nachweisteil so komplett, dass man da wirklich sehr viel über seine Entwicklungen kennenlernen kann. Für den Laien sind die Nuancen schwer zu erkennen, das dreißigste Selbstportrait mit Bart, - ein gewisses Wissen über Leibl sollte man haben oder sich anzueignen bereit sein. Zeichnungen von Frauen- und Mädchenköpfen, die eine Rolle in Leibls Leben gespielt haben, da muss man schalten können, was das soll; Tante Josepha, Lina Kirchdorfer. Es wird deutlich: Zur Vervollständigung ist dieser schön gestaltete Band unerlässlich. Denn Leibls zeichnerisches Werk ist beiläufig behandelt worden, was vielleicht auch nicht ganz unberechtigt war, wenn man Kunst nur an ihrer großen Bedeutung misst.

Aber eben darum geht es nicht nur. Dieses dicke Buch ist auch deswegen so erhellend, weil es davon erzählt, welche Rolle das Beiläufige im Künstlerdasein spielt. Viele Notizbuchskizzen, Zeichenübungen - Leibls Kunst ersteht nicht als vollkommen eigenständige Zeichenkunst, sie bleibt Beiwerk. Dieses rundum empfehlenswerte Buch ist daher eine gute Lektüre für enzyklopädisch interessierte Kunstkenner.

 

Marianne von Manstein: Wilhelm Leibl

Imhof Verlag 2010

496 S., Euro 69,00

ISBN 978-3865686190

 

Die Rezensentin ist Publizistin und Kunstwissenschaftlerin.

 

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Kunstszene in Österreich zu Beginn des letzten Jahrhunderts

Hilde Berger: Ob es Hass ist, solche Liebe? Oskar Kokoschka und Alma Mahler

Von Iris Kersten

 

Der 25jährige Oskar Kokoschka trifft 1911 in Wien auf die sieben Jahre ältere Alma Mahler. Ihr Mann, der berühmte Komponist Gustav Mahler, ist gerade gestorben, und Oskar fertigt die Totenmaske an. Vom ersten Treffen an ist er in ihren Bann gezogen. Ein Jahr später engagiert ihr Schwiegervater den Künstler, um ein Portrait von Alma erstellen zu lassen.

Alma ist eine Gesellschaftsdame der österreichischen Kunstszene und fühlt sich von dem jungen Kokoschka wegen seines exzentrischen Stils angezogen. Sie wird seine Geliebte. Oskar ist von ihr wie besessen: Er vernachlässigt seine Freunde, ist nur noch für seine Angebetete da und malt auch nur noch sie. Stark geprägt wird die Beziehung der beiden durch Oskars Eifersucht. Unentwegt versucht dieser, Alma zu einer Heirat zu bewegen. Sie hingegen entzieht sich ihm durch mehrfache Reisen mit ihrer Freundin Lilly Lieser.

Dann wird Alma schwanger. Zu dieser Zeit lebt das Paar gemeinsam in Gustav Mahlers Sommerhaus, was in Kokoschka aber eine immer größere Eifersucht auf den Toten entstehen lässt. Zum Schluss wird er sogar gewalttätig. Alma lässt ihr gemeinsames Kind abtreiben und verlässt den Künstler. Oskar ist verzweifelt. Ohne Alma will er nicht mehr leben, auch kann er nicht mehr malen. Für ihn gibt es nur eine Lösung: er meldet sich als Freiwilliger an die Front.

Nach drei Kriegsjahren und mehrfachen Verletzungen gelangt er in ein Nervensanatorium in Dresden, wo ihm seine Frontuntauglichkeit attestiert wird. Dort bewohnt er nun einen kleinen Pavillon und ist als Lehrer an der Dresdner Kunstakademie tätig.

Der Krieg hat Alma nicht aus seinem Kopf vertreiben können. Kokoschka lässt sich eine lebensgroße Alma-Stoffpuppe anfertigen, die seine Gefährtin wird und die ihn wieder zum Malen inspiriert.

Das Buch endet 1919 mit der Uraufführung von Oskar Kokoschkas Theaterstück Orpheus und Euridike (darin verarbeitet der Künstler seinen Verlust Almas) und mit der darauffolgenden Zerstörung der lebensgroßen Alma-Puppe, was sich wohl als die Befreiung Oskars von einer Besessenheit interpretieren lässt.

Hilde Berger, Drehbuchautorin sowie Schauspielerin und Lehrbeauftragte am Institut für Theaterwissenschaft in Wien, hat ihr erstes literarisches Werk geschrieben, einen biographischen Roman, der 1999 zum ersten Mal veröffentlicht wurde.

In einer schlichten und schnörkellosen Sprache reiht die Autorin Szenen wie Filmsequenzen aneinander und schafft somit Bilder von Räumen und Menschen einer Epoche. Eindrucksvoll stellt sie die Abhängigkeit Oskars von seiner Geliebten dar. Hier gelingt es Berger, uns in den Kopf des Künstlers schauen zu lassen. Gelungen ist die Darstellung von Oskars (unerfüllten) Leidenschaften, die ihn zu seinem Schaffen inspirieren, sowohl zu seinen Bildern als auch zu seinen Texten (Der geniale Titel des Buches ist übrigens ein Zitat aus Kokoschkas Orpheus und Euridike).

Im Gegensatz dazu bleiben die Intentionen und Beweggründe Almas in Bezug auf Oskar vage. Es stellt sich die Frage „Was will sie wirklich von ihm? Liebt sie ihn vielleicht doch oder möchte sie nur durch seine Bilder unsterblich werden?“ Leider bekommt der Leser wenig Einblick in Almas Denkweise.

Alles in allem, ein biografischer Roman, der die Liebesbeziehung zwischen Oskar Kokoschka und Alma Mahler darstellt und der Einblick in die Kunstszene Österreichs zu Anfang des letzten Jahrhunderts gibt.

 

Hilde Berger: „Ob es Hass ist, solche Liebe? Oskar Kokoschka und Alma Mahler“

Aufbau Taschenbuch 2010

224 Seiten, 11,95 Euro

ISBN-13: 978-3746670782

 

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