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Kein Hauptlebenszweck

Fiona Ffoulkes: "Mode lesen"

Von Anne Spitzner

 

 

Ein Buch für alle modisch interessierten Menschen mit Nachholbedarf beim Wissen über das Thema: Fiona Ffoulkes legt mit „Mode lesen“ ein selbstbetiteltes Nachschlagewerk für Mode vor. Dabei dampft sie das Thema ziemlich ein, sonst wäre das Buch wohl eher unhandlich geworden. Auf knapp 250 reich bebilderten Seiten stellt Ffoulkes zahlreiche Themen aus der Welt der Mode vor, grob gegliedert nach Herren- und Damenmode, den Anlässen, zu denen man sie trägt, den verwendeten Materialien und Schnitten sowie den sie anfertigenden Designern.

Obwohl das Buch sich auf die Fahnen geschrieben hat, eine Einführung in das Thema Mode zu geben, stehen viel zu viele Wörter im lediglich ein paar Seiten umfassende Glossar einfach nicht drin. Dies geht meiner Meinung nach auch über Basiswissen, das bei modisch Interessierten vorausgesetzt werden kann, hinaus. Und nachschlagen kann man auch nicht wirklich, wenn man einen bestimmten Begriff sucht, ein Stichwortverzeichnis ist nicht enthalten.

Liest man das Buch jedoch zum Zeitvertreib durch, kann man beispielsweise raten, aus welchem Jahrhundert ein Kleidungsstück stammt, bevor man den Text neben der Abbildung liest. Manchmal ist das sehr interessant; sehr oft passiert es auch, dass man ein absolut nicht nach Designerkleidung aussehendes Kleidungsstück betrachtet und sich fragt, wieso manche Leute sehr viel Geld ausgeben, um ein derartiges Ding tragen zu dürfen. Das eine oder andere Aha-Erlebnis stellt sich dabei auch ein, weil man viele Wörter im Alltag einfach hört, ohne zu wissen, woher sie stammen und welche Bedeutung sie ursprünglich hatten.

Ein wenig verwirrt dabei die Tatsache, dass viele Texte sich gar nicht auf die Abbildung beziehen,  neben der sie stehen, sondern auf ein gänzlich anderes Kleidungsstück. Das macht die Texte teilweise wahrscheinlich sehr viel interessanter; dabei stellte sich mir allerdings die Frage, weshalb man dann nicht gleich das interessantere Kleidungsstück im Buch abbildet. Leider gibt es auch einige, vielleicht bei der Übersetzung eingeschlichene, sprachliche Ungereimtheiten. Beispielsweise ist an einer Stelle die Rede von „männlicher Stärke und Virilität“, was sich zumindest meiner Auffassung nach inhaltlich überschneidet. Außerdem wirft der Klappentext die Frage auf, woher die Melone (der Hut) ihren Namen hat, und auch hier ist in der deutschen Übersetzung die Antwort auf diese Frage flöten gegangen: Die Melone heißt im Englischen Bowler Hat und ist nach ihrem Designer benannt, doch weshalb sie im Deutschen Melone heißt, bleibt offen.

Insgesamt also ein eher durchwachsenes Leseerlebnis für alle, für die Mode kein Hauptlebenszweck ist; für alle anderen wahrscheinlich ein empfehlenswertes „Nachschlagewerk“.

 

Fiona Ffoulkes:

"Mode lesen"

256 Seiten, Euro 24,90

Haupt 2012

ISBN 978-3258600550

Format: 21,4 x 17,6 x 2,4 cm

 

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Zu Unrecht unbekannt!

"Heinrich Kley 1863–1945. Meister der Zeichenfeder – im Kontext seiner Zeit"

Von Steffen Wunder

 

Begleitend zur Ausstellung der Villa Stuck über den deutschen Künstler Heinrich Kley ist der Katalog „Heinrich Kley (1863-1945). Meister der Zeichenfeder im Kontext seiner Zeit“ mit Texten von Dr. Alexander Kunkel, der sich bei seiner Promotion bereits ausführlich mit diesem Künstler beschäftigt hat, erschienen.

Heinrich Kley ist vor allem für seine satirischen Zeichnungen und antropomorphe Tierdarstellungen bekannt. Doch in dem vorliegenden Katalog wird gezeigt, wie unterschiedlich und facettenreich sein Gesamtwerk ist. Wie bereits der Katalogtitel verrät, liegt der Schwerpunkt auf der Zuordnung im Kontext des Zeitgeistes. Sowohl die Reflexion von zeitgenössischen Themen als auch der Vergleich zu anderen Künstlern aus Kleys Epoche werden berücksichtigt. Ein weiterer bemerkenswerter Aspekt, der Thema dieses Textes ist, ist die Verbindung zwischen Kleys Werk und Walt Disneys Zeichentrickfilm „Fantasia“, der Sequenzen enthält, die durch den Stil und Motive dieses Künstlers inspiriert sind.

Zunächst wird ein Überblick über das Leben Heinrich Kleys gegeben. 1863 in Karlsruhe geboren, wuchs er bei seiner Mutter, seinem Stiefvater und seinem jüngeren Halbbruder auf. Aufgrund seiner Beziehung zu Theophanie Kräuter, die seinen Eltern nicht genehm war, wurde die familiären Verhältnisse schwieriger. Auf der Karlsruher Kunstschule absolvierte er unter Ferdinand Keller 1885 ein Studium. Seinen ersten bedeutenden Auftrag erhielt Kley anlässlich einer Jubiläumsfeier zum 500-jährigen Bestehen der Universität Heidelberg, zu der er 25 Illustrationen anfertigte. Es folgten weitere Aufträge, die wenig Anerkennung brachten. Daneben arbeitete er auch als Pressezeichner für Zeitschriften und als Buchillustrator. Anhand von Naturstudien entwickelte er seine handwerklichen Fähigkeiten weiter. 1901 erhielt der Künstler einen großen Auftrag der Gussstahlfabrik Krupp und fertigte eine Perspektivzeichnung des Geländes sowie mehrere Aquarelle an. Dadurch erlangte er mehr Bekanntheit und erhielt weitere Aufträge. 1909 zogen Heinrich und Theophanie Kley nach München, wo er an der Zeitschrift „Simplicissimus“ mitarbeitete. Im Verlag des Simplicissimus brachte er auch Alben mit satirischen Federzeichnungen heraus. Daneben arbeitete er auch für andere Zeitschriften wie „Die Jugend“, „Hyperion“ oder „Licht und Schatten“. Auch als Buchillustrator begann er wieder zu arbeiten. Durch die Zusammenarbeit mit dem Galeristen Franz Josef Brakl 1910 machte sich Kley einen Namen auf dem Kunstmarkt. 1922 starb Kleys Ehefrau, wodurch er in eine schwere Lebenskrise geriet, den Kontakt zu Freunden und Verwandten abbrach und sich isolierte. 1923 verlor er durch die Hyperinflation sämtliche Ersparnisse. Er spezialisierte sich darauf auf die Industriemalerei. Im Jahr 1928 heiratete er Emily Segisser, wodurch er wieder Lebensmut schöpfte und sich erneut humoristischen und grotesken Zeichnungen zuwandte. Zu Beginn des Dritten Reichs beendete er seine Mitarbeit bei "Die Jugend", um mit seinen grotesken Zeichnungen keine Angriffsfläche zu bieten. Kleys Gesundheit wurde nach und nach schlechter, sodass er sich mehreren Operationen unterziehen musste. 1938 wurde er in die Reichskammer der bildenden Künste aufgenommen und arbeitete daneben für verschiedene Industrieunternehmen. Dennoch wurde Kleys „Sammelalbum“ auf die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ gesetzt. Trotzdem begab er sich wieder an die Arbeit am „Simplicissimus“ und veröffentlichte satirische, aber harmlose Federzeichnungen. Nach und nach wurde er pflegebedürftig und starb 1945.

Eine außergewöhnliche Idee ist eine Gegenüberstellung von Heinrich Kley und seinen beiden zeitgenössischen Kollegen Max Klinger und Alfred Kubin in einem weiteren Textabschnitt. Dadurch wird gezeigt, wie diese Künstler ähnliche Themen auf jeweils unterschiedliche Weise bearbeiten. Eines dieser Themen ist zum Beispiel „Persönlichkeit und Selbstverständnis des Künstlers“. Klinger zeigt durch „Klinger an der Staffelei“ sich selbst vor einer Leinwand. Eine weibliche Figur hält er buchstäblich auf der Leinwand fest, eine männliche kratzt er wörtlich mit dem Griffel. Der Künstler persifliert die akademische Historienmalerei, durch die er sich eingeengt fühlt. Kubin greift dieses Thema in „Mein Dämon“ auf, indem er sich selbst am Schreibtisch sitzend abbildet. Zwei nackte Menschenkörper schweben über einem „Genieschein“. Anstelle ihrer eigenen Köpfe befindet sich der Kopf des Künstlers auf ihren Hälsen. Kley zeigt in „Inspiration“, wie aus seinem Kopf winzige Heere entspringen und über seinen Arme auf die Leinwand gelangen, wo sie sich verselbstständigen. Kley stellt hier im Gegensatz zu den anderen beiden Künstlern nicht sich selbst, sondern seine Kunst in den Mittelpunkt. Weitere Themen, die gegenübergestellt werden, sind Träume, die Beziehung zwischen Frau und Mann oder die Begrenzung des Schicksals durch die dunkle Seite des Lebens. Die Behandlungen durch den jeweiligen Künstler werden übersichtlich nebeneinandergestellt und abschließend in einer Quintessenz zusammengefasst.

Der Verarbeitung von Kleys Federzeichnungen durch Walt Disney wird ein Kapitel gewidmet. Disney, welcher sich für seine Zeichentrickfilme von der europäischen Kunst inspirieren ließ, kaufte Kleys Witwe Emily Kley mehrere Zeichnungen ab. Besonders die Zeichnungen, die Tiere mit menschlichen Verhaltensweisen und Bewegungen zeigen, wurden von Walt Disney geschätzt. Gemeinsamkeiten des bildenden Künstlers und des Filmkünstlers findet man in „Dumbo“, „Das Dschungelbuch“, „Peter Pan“, aber vor allem in „Fantasia“. Die Episode „Tanz der Stunden“ ist ursprünglich eine Balletteinlage der Oper „La Gioconda“ von Amilcare Ponchielli. Ironischerweise werden die Tänzer durch Tiere wie Strauße, Nilpferde, Elefanten und Alligatoren ersetzt. Besonders Kleys Zeichnungen von schlittschuhlaufenden Elefanten, Alligatoren und Menschen dürften als Inspiration gedient haben. Aber auch der „Simplicissimus“-Bilderbogen „Die Tanzschule“ war mit Sicherheit ein wichtiges Vorbild, wie man später im Katalog erfährt. Die Verbindung zwischen Kleys Kunst und „Fantasia“ wird im Katalog immer wieder Thema und man erkennt gemeinsame Motive.

Die Bereiche im Katalog sind in acht Kapitel unterteilt. Hauptsächlich handelt es sich um Themenbereiche, die der Künstler schwerpunktmäßig behandelte, etwa Naturstudien, Industriedarstellungen oder Antike. Neben Werken von Kley findet man auch vergleichbare von seinen zeitgenössischen Künstlerkollegen. Sein Hang zur Satire ist durchgehend erkennbar. Die Bilder des Karlsruher Kunstlebens haben relativ konstante Motive. Neben Illustrationen einer Fest-Chronik zum 500-jährigen Bestehen der Universität sind auch „Skizzen aus Baden“ zum 40-jährigen Regierungsjubiläum Friedrichs I. vorzufinden. Besonders fällt hier das Aquarell „Blick aus dem Fenster in Karlsruhe“ auf, das eine ruhige Stimmung vermittelt. Die Naturstudien wurden meist mit Aquarellfarben direkt vor dem Motiv ausgeführt. Die Abbildungen zeigen unter anderem eine detailliert geschilderte „Winterlandschaft“ mit fein differenzierten Grau- und Brauntönen oder die „Wolkenstudie“, in der der Pinselduktus selbst wie aufgelöst wirkt. In der Industriemalerei, die allgemein um die Jahrhundertwende begann, stellt Kley unter anderem die Friedrich-Alfred-Hütte in Duisburg dar. Besonders interessant ist hier das Ölgemälde „Die Krupp’schen Teufel“, auf dem Dämonen den Inhalt eines Gusstahltiegels trinken. Auch Versuchung und Verführung spielen eine wichtige Rolle in der bildenden Kunst um 1900. Der Kampf zwischen den Geschlechtern und die damit verbundene Spannung und Erotik sind wichtige Themen. „Unter vier Augen“ zeigt ähnlich wie Max Klingers „Junge Dame im Boudoir“ eine Frau, die den Betrachter fixiert und ihre Nacktheit verstecken möchte, wodurch sie diese noch mehr betont.

Der Katalog hat zahlreiche farbige Abbildungen und gibt einen guten Überblick zum Gesamtwerk des zu Unrecht eher unbekannten Künstlers. Die Texte sind nicht zu lang und informativ. Man bekommt Lust auf mehr.

 

Katalog:

„Heinrich Kley 1863–1945 – Meister der Zeichenfeder – im Kontext seiner Zeit“

Mit einem Vorwort von Michael Buhrs und Beiträgen von Alexander Kunkel. Herausgegeben von Michael Buhrs.

128 Seiten, Euro 19,50

Stiftung Villa Stuck, 2011

ISBN: 978-3-923244-27-0

Format: 27,0 x 21,0 cm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Rezensent ist Literatur- und Kunstkritiker. Er ist Mitarbeiter der Librifex-Redaktion und schreibt zudem regelmäßig für "Philete. Heft für Kunst und Illustration". 

 

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Rückschläge, Fortschritte

Helmut-Eberhard Paulus: "Das Sommerpalais in Greiz"

Von Susan Müller

 

Ein Buch für diejenigen, die sich ganz speziell für Restaurierungen, Wiederaufbau, Denkmalpflege interessieren. Beziehungsweise für Schlösser. Beziehungsweise für Greiz! Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten hat die Arbeiten an dem Sommerpalais in Greiz dokumentiert und zu Papier gebracht, und das sehr ansprechend und anspruchsvoll. Es langweilt nicht mit bloßen Zahlen, es steht immer eine Regentenzeit dahinter und die Nutzung des Sommerpalais. Galt es im 18.Jahrhundert noch die Gäste zu beeindrucken und es als Lustschloss zu benutzen, kam das Sommerpalais später -und so bis heute-  den Bürgern der Stadt und auch Fremden zugute. Es ist zugänglich und wird als Ausstellungshaus genutzt (die Kupferstichsammlung wird zudem dort aufbewahrt). Die Reise in die Vergangenheit ist für den Leser und den das Schloss Besichtigenden aufschlussreich; Heinrich XI. des Hauses Reuß hat den größten Anteil an Lustschloss und –garten. Von der Vielzahl seiner Reisen brachte er die Idee des Baustils nach französischen Vorbildern mit. Seine Pläne reichen bis in die Gegenwart, bis zur Beschäftigung mit Bausubstanz und Sanierung hinein.

Die Illustrationen sprechen für sich, was die Entwicklung und der Umbau des Sommerpalais betreffen und untermauern die Zahlen und Bauberichte sehr gut: Gelungene Vorher- Nachher-Aufnahmen und tolle Grundrisszeichnungen. Bilder und Erklärungen zu den einzelnen Zimmern runden das Ganze ab. Eine schöne Lektüre zu Forschungsergebnissen und Gesamtsanierung mit Rückschlägen und Fortschritten, die zum Besuch animiert und die lesenswert ist für In- und Outsider.

 

Helmut-Eberhard Paulus:

"Das Sommerpalais in Greiz"

Hg. von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

72 Seiten, Euro 14,90

Imhof Verlag 2012

ISBN 978-3865687654

Format: 29,4 x 20,6 x 0,8 cm

 

Die Rezensentin ist Buchautorin. Sie lebt bei Greiz.

 

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Kunst für junge Leser 1: Weckt Begeisterung für Kunst!

Hildegard Kretschmer: "Das Abenteuer Kunst. Die Geschichte der Malerei"

Von Lucas Kohlschreiber

 

Der erste Blick ist verwirrend. "Das Abenteuer Kunst. Die Geschichte der Malerei" geht neue Wege schon in seiner Gliederung, weil es jüngeren Lesern die Kunst nahebringen soll. Es rüttelt den Schulwissen herunterleiernden Leser auf - in sehr gelungener Weise setzt es Denken in Bewegung, ohne Wissen aufzugeben. Denn ein roter Faden wird bei aller Originalität des Ansatzes nicht aufgeben, so dass das Buch kunsthistorisch auf festen Füßen steht. Sommer und Winter in der Kunst: Nicht nur Feldarbeit im 15. Jahrhundert, auch Claude Monet im Sommer - eine wunderbare Reise, die wirklich Begeisterung für Kunst bei jungen Leuten zu wecken versteht. Von der Höhlenmalerei bis ins Museum. Pferd und Jagd. Andacht und Kult. Heilige und weltliche Geschichten. Es sind immer die bedeutenden Themenblöcke der Kunst, und danach wird die Kunstgeschichte durchleuchtet. Das macht das Buch so vielfältig. Da es für Leser auf dem Weg hin zur Urteilskraft konzipiert ist, wird kein Klassikerbild ausgelassen. Und trotzdem bleibt genug Raum, ein sehr umfassendes Verständnis für Einteilung, für Geschichte, für Entstehungsgründe zu vermitteln.

Ein wenig überfrachtet ist lediglich das Buchdesign. Ohne Not wurde da aufgelockert und lesbar gemacht, ohne dass das nötig gewesen wäre. Im Gegenteil: Bei diesem Ansatz hätte es mehr Klarheit gebraucht.

Kein Buch, wie es in der heutigen Pseudo-Wissensabfrage-Gesellschaft punkten könnte - ein tolles Buch! Sehr lohnenswert.

 

Hildegard Kreschner:

Das Abenteuer Kunst. Die Geschichte der Malerei

Gebundene Ausgabe, 23,4 x 16,6 x 2,6 cm

Prestel Verlag 2010, Deutsch

240 S.,19,99 Euro

ISBN 978-3791370118

 

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Kunst für junge Leser 2: Furiose Einführung

Steen T. Kittl & Christian Saehrendt: "Was will Kunst?"

Von Lucas Kohlschreiber

 

An dem stetig steigenden Anteil der Kunstvermittlungsbücher für Kinder und Jugendliche kann man viele politische Fragestellungen ableiten. Im Kern spürt man, dass uns der Bildungsbegriff abhanden gekommen ist und sich eine gewisse allgemeine Ahnungslosigkeit ausdehnt. Ihr stehen Jugendliche gegenüber, die Interessen haben, offen sind, nicht auf Schulmaß gestutzt werden sollten.

Sie sollten auf jeden Fall als Einführung „Was will Kunst?“ lesen!Hier geht es um das Aufregende, um das Spannende in Kunst und Kunstgeschichte, um die vielfältigen Themen, die bis heute und auch in Zukunft unser Leben bestimmen. Gerade junge Leser können noch spüren, was wirklich das Entscheidende ist, das Menschen antreibt; viel stärker als irgendwelche ökonomischen Prozesse, die von Schule und Uni mittlerweile beim Bildungsbegriff zum Credo erhoben wurden. Deswegen ist "Was will Kunst?" eine geradezu anarchisches Buch, das, wenn man es mit Verstand liest, das untergräbt, was heute gefordert wird - denn wer sich mit diesem Buch beschäftigt, bekommt Lust auf Kunst. Und Kunstschaffen lässt sich, auch wenn die Kunstauktionen und Kunsthallen der Banken etwas anderes suggerieren, nicht monetär und volkswirtschaftlich erfassen. Hier schwingt die Befreiung der Kunst und die Befreiung des Menschen mit.

Zur Kunstvermittlung ist hier, fast beiläufig, auch alles dabei. Es gibt kein Bild im Buch, das Erwachsene nicht kennen. Michelangelo, Macke, Münter, Duchamps, Max Ernst - hier wird anhand der Kunst, die einem im jedem Kartenständer über den Weg läuft, die Kunstgeschichte dargestellt. Der unbedarfte Jugendliche wird da abgeholt, wo er steht, und erhält dann eine furiose Einführung.

 

Steen T. Kittl & Christian Saehrendt:

Was will Kunst?

Taschenbuch, 21 x 17 x 1,4 cm

Campus Verlag 2009, Deutsch

200 S., 19,90 Euro

ISBN 978-3593386461

 

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Right On!

Der Bildband Funk&Soul Covers ist viel mehr als nur ein dekoratives Coffee-Table-Buch: Er ist ein musikärchäologisches Meisterstück

Von Jan Fischer

 

Die Geschichte der afroamerikanischen Musik ist immer die Geschichte des Protestes. Da ist die Verzweiflung des Blues, der langsame Schritt ans Tageslicht mit dem Jazz, die selbstbewusste Pose des Funk und Soul, der wütende Aufschrei des Hip-Hop. Es ist gleichzeitig aber auch die Geschichte der Neuerfindung der Musik, geradezu die Erfindung einer ganzen Popkultur: Der Blues ist die erste Form populärer Musik, die in den USA entstand, und er setzte sowohl die Maßstäbe für den Rock und den Jazz, für den Funk, den Soul, den Hip-Hop, eigentlich setzte der die Maßstäbe für fast das ganze Spektrum der Musik, die heute im Radio zu hören ist: Die Geschichte der populären Musik ist zum größten Teil auch die Geschichte der Vereinnahmung afroamerikanischer Musik durch Weiße. Der Einfluss desjenigen Menschen, der das erste Mal eine Gitarre  zur Hand nahm und darüber klagte, dass seine Frau fort ist kann nicht hoch genug eingeschätzt werden – seinen Namen kennen wir nicht.

 

Der Slap-Bass und die Hotness

Wir kennen seinen Namen nicht, weil sich damals, um die vorige Jahrhundertwende, kein Weißer für diese Musik interessierte.  Und es waren die Weißen, welche die Aufnahmetechniken hatten. Es waren die Weißen, die in der Lage waren, Noten zu lesen und zu schreiben.  Mal ganz abgesehen davon, dass sie sehr selten einen Fuß in die Spelunken setzten, in denen der Blues gespielt wurde. Da hat man es beim Funk und Soul deutlich leichter – obwohl die amerikanische Gesellschaft noch weit davon entfernt war, ihren Rassismus abzulegen, war sie doch immerhin – durch die unermüdliche Vorarbeit der afroamerikanischen Jazzer - in der Lage, zumindest die musikalischen Qualitäten anzuerkennen. Wenigstens soweit, dass die Musiker im Studio eine schier unendliche Anzahl an Platten produzierten, ihre eigene musikalische Sprache entwickelte, dieses unheimlich treibende des Funk und Soul, den Slap-Bass, die brachial-zurückgenommene Betonung der Rythmus-Sektion kurz: Die Hotness.  Und sie entwickelten auch eine ganz eigene Bildsprache, vor allem in der Coverkunst.

 

Das Personalkarussell

Und darum soll es eigentlich in Funk&Soul Covers gehen. Und genau darum geht es auch – das Buch besteht größtenteils aus  Abbildungen von Plattencovern, manchmal, nicht immer, mit kurzen Erläuterungen dazu: Wer der Künstler war, der sie gestaltet hat, welches Mitglied welcher Band wann warum und wo in dieser speziellen Veröffentlichung mitgespielt hat. Denn das ist eines der Probleme, auf die man stößt, wenn man sich ernsthaft sowohl mit Jazz als auch mit Funk und Soul beschäftigen will: Selbstverständlich, es gibt diese ganzen großen Namen, und die sind auch mit einigen Covern in Funk&Soul Covers vertreten: Marvin Gaye, Isaac Hayes, James Brown, diese ganze Truppe von Legenden. Aber wenn man tiefer vorstößt, ist es ein einziges Personalkarussel: Da hat der Bassist von Parliament auch mal da und dort mitgespielt, während der Schlagzeuger der Hot Four auch mal in diesem oder jenem Funkadelic-Release dabei war,  undsoweiterundsofort.

 

Archäologen

Es ist ein großes Verdienst von Joaquim Paulo und Julius Wiedemann – den Herausgebern von Funk&Soul Covers – dass sie dieses ganze Personalkarussell akribisch recherchiert  haben, und in ihren wunderbar zurückhaltenden Anmerkungen aufschlüsseln, soweit es heute noch nachvollziehbar ist.  Ein weiteres großes Verdienst der beiden ist es, dass sie regelrecht ärchäologisch vorgegangen sind, und neben den großen Klassikern auch Raritäten ausgegraben haben, von denen vielleicht nur noch ein oder zwei Kopien existieren – wer hätte schon jemals von schottischem Funk gehört? So ist Funk&Soul Covers viel mehr als nur ein hübscher Bildband – beim Durchblättern ergibt sich das Portrait einer ganzen Generation von Musikern und damit ihrer Fans, ihrer Formen- und Bildsprache, ihres Lifestyles. Aber auch und vor allem der Art, wie sie den Protest weitertragen, der in den Vorformen des Funk und Soul genauso  eingeschrieben ist, wie er im Funk und Soul eingeschrieben ist.  Funk&Soul Covers ist die akribische Aufarbeitung von Grafiken einer Protestkultur, die vielleicht nicht immer explizit protestierte, aber dafür immer verdammt funky war.

 

Joaquim Paulo Fernandes, Julius Wiedemann: Funk&Soul Covers

Taschen Verlag 2010 (Sprachen: Französisch, Deutsch, Englisch)

432 S., Euro 29,99

ISBN 978-3836519861

 

Der Rezensent ist Kulturjournalist und Essayist in Hildesheim.

 

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